Hot Wet & Blue
Eine verrückte Hochzeit mit dem MeerAm 28 August 2009 heirateten zwei ekstatische Künstlerinnen und Bräute auf der Biennale in Venedig in einer öko-sexuellen Vermählung den Ozean. Die Performancekünstlerinnen Annie Sprinkle und Beth Stevens gelobten zusammen mit einer Schar exotischer Freunde aus aller Welt «das Meer zu lieben zu achten und zu ehren, bis dass der Tod uns scheidet». Ich war an dieser unvergesslichen Hochzeitsfeier eingeladen, und hier ist der Bericht darüber, den ich euch im NEWSLETTER des letzten Monats versprochen habe.

Ich hatte eigentlich geplant, das ORGASMOBILE zum Blue Wedding von Annie und Beth mitzubringen. Ich hatte mir vorgestellt, was für ein Spaß es sein müsste in der magischen Stadt am Meer herumzugondeln und all den weiblichen Touristen, die zum Wochenende in die Stadt strömen, Orgasmen anzubieten. Allerdings waren diese Träume unrealistisch, denn ich hatte vernachlässigt, wie unpraktisch es gewesen wäre, ein Gefährt mit Rädern durch eine Stadt der Boote zu bugsieren. Die intensive Augusthitze brachte mich zur Besinnung und mir wurde klar, dass es wohl besser wäre, mein romantisches Lustmobil zu Hause zu lassen und die Reise einfach nur mit einem kleinen Rollenkoffer anzutreten. Wie sich herausstellen sollte, war dies eine weise Entscheidung.
Beth uns Annie sind ein Künstlerinnenpaar, das sich Kunstprojekten verschrieben hat, welche die Liebe erkunden, erzeugen und feiern. Sie orchestrieren in Zusammenarbeit mit verschiedenen internationalen Gemeinschaften Performancekunst-Hochzeiten. Jede Performance ist auf den Veranstaltungsort zugeschnitten, interaktiv und verwendet ein anderes Thema und eine Farbe, die auf dem System der sieben Chakras des menschlichen Körpers basiert. Die Hochzeit ist eine symbolische Geste, die Hoffnung schenkt und die zum Handeln aufrufen soll.
Dies sollte also ein BLUE Wedding sein – in Beziehung zum fünften Chakra, dem Kehl-Chakra, der Kommunikation, dem Wasser und der Fluidität. Annie und Beth wollten sich mit dem Meer vermählen, und alle Teilnehmer an der Hochzeitsfeier waren eingeladen, es ihnen gleichzutun. Dies sollte eine Gelegenheit sein, unsere Liebe auf alle Gewässer der Welt auszudehnen. Welcher Ort wäre für die Feier einer solch feuchten Liebe wohl besser geeignet gewesen als Venedig?
Wir waren alle eingeladen, uns den Bräuten und ihrem Anhang beim «Fear Pavillon», einem Teil der 53. Biennale von Venedig, anzuschließen. Alles gut und schön, aber in dieser magischen Stadt herumzukommen ist nicht gerade einfach. Wenn man am Flughafen von Venedig ankommt, besorgt man sich am besten zuerst einmal einen Stadtplan. Dann kauft man eine Dauerkarte für die «Vaporettos», die schnellen und überfüllten Boote, die als öffentliche Verkehrsmittel auf den Kanälen dienen. Ich war mit zwei lieben Freundinnen zusammen auf die Reise gegangen. An diesem extrem heißen Sommertag hatten wir Mühe, zu Fuß, mit dem Boot und mit dem Stadtplan in der Hand den Pavillon zu finden. Nach vielen Umwegen erreichten wir schließlich die geräumige umgewandelte Fabrikhalle, die den Fear Pavillon (gleich neben dem «Unconditional Love Pavillion») beherbergte. Dort trafen wir auf eine fröhliche Meute exzentrischer Typen, die aus ganz Europa und sogar aus San Francisco eingeflogen waren. Sie alle wollten, ebenso wie wir, zusammen mit Annie und Beth an der ökosexuellen Vermählung teilnehmen. Und alle hatten sie exotische blaue Kleidungsstücke für die Zeremonie mitgebracht.
Um Vier Uhr nachmittags, nachdem wir uns alle in unseren der Gelegenheit angemessenen blauen Staat geworfen hatten, begannen wir das Ritual mit einer Rezitation auf Italienisch:
Mamma mia che tettone sangen wir gemeinsam.
Das heißt O Mutter, was für Titten.
Das war eine Hymne auf Annies weltberühmten, historisch bestätigten film-reifen Busen. Am Tag zuvor hatte ein Mann auf der Piazza Annies herrliche Titten gesehen und ausgerufen: «Mamma mia, che tettone!» Wir waren von diesem spontanen Gebet so beeindruckt, dass der Spruch sofort in die Zeremonie integriert wurde. Wir sangen ihn eine Minute lang inbrünstig.
Carol Queen gab Anweisungen für unsere Zeremonie, und dann folgte eine Reihe von Performances, die uns bis zum frühen Abend in Atem hielten. Zu meinen besonderen Favoriten gehörten:
- DIE EKSTATISCHEN HIMMELBLAUEN BÄRTIGEN SEEJUNGMÄNNER, zwei blaue Meerjungfrauen, die in den Kreis getragen werden mussten, weil sie eine Schwanzflosse und keine Beine hatten.
- DER SPASS DER KASTRATION von Tim Süttgen, einem wirklich sensationellen Performer, der seinen Schwanz opferte und dann am Ende seiner Performance rückwärts ins Meer stürzte.
- DIE BLAU SPRITZENDE FONTANA, eine nackte, blau angemalte spanische Künstlerin, die einen langen blauen Schal aus ihrer Möse zog, während sie aus dem Arsch blaues Wasser spritzte.
Es gab eine Menge unvergesslicher Performances.
Wir beendeten die Zeremonie mit einer Prozession durch die Stadt Venedig. Die Gruppe machte auf einem schönen Platz Halt, nahm dort ein Festmahl ein, und dann stiegen die beiden Bräute in eine Gondel ein, die sie aufs offene Meer hinausbrachte, wo sie ihre Eheringe zeremoniell ins Meer warfen.
Das alles war ein unvergessliches Abenteuer, welches mich dazu inspiriert, auf meine Weise, die Welt zu lieben, noch gewagter, noch kreativer und auf ganz verrückte Weise. Ich danke euch, Annie und Beth, dass ihr diese Schar von Queers zusammengebracht und dabei alle Hindernisse überwunden habt, die der Geburt eines solch erstaunlichen Events für uns alle im Wege gestanden hatten.
Möge die Meeresgöttin euch mit Woge über Woge der Ekstase, Lust und Kreativität segnen. Möget ihr glücklich sein. Möge es euch wohl ergehen.
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