Sich für Veränderung öffnen
Schick mir eine Postkarte vom anderen Ende der Welt!Kennt ihr diese Zeiten, wo gar nichts glatt zu laufen scheint? Der Job, die Familie, das Liebesleben - alles scheint dich einfach hoffnungslos zu überfordern und/oder enttäuschend zu sein. Es sind jene Zeiten, zu denen das Glas ohne jeden Zweifel «halb leer» ist.
Durch solche Zeitabschnitte zu navigieren, kann eine große Herausforderung sein. Jetzt braucht man einen starken Willen und viel Einsatz, um offen und zugleich auf die Ziele fokussiert zu bleiben, die man sich im Leben gesetzt hat - auch dann, wenn alles düster und hoffnungslos auszusehen beginnt. Im vergangenen Winter war ich eine Zeit lang ziemlich entmutigt und stellte viele Dinge in Frage. Sowohl beruflich als auch privat fühlte ich mich unter Druck. Ich wusste, dass Veränderungen anstanden, spürte, dass sich etwas bewegte, aber ich wusste nicht, wann es kommen würde und wie ich damit umgehen sollte. Würde ich es fertigbringen, loszulassen und mich dem Fluss zu überlassen, der mich in das nächste Abenteuer meines Lebens tragen würde?
Meine Freundin Molly demonstrierte mir Knall auf Fall, wie man sich furchtlos für Veränderungen öffnet. Sie hat sich seit 28 Jahren ganz auf ihre berufliche Karriere konzentriert. Sie ist im Management eines großen internationalen Unternehmens tätig, hat ein ansehnliches Gehalt und bekommt am Ende des Jahres dazu noch einen fetten Bonus. Ihr Charme und ihr Charisma haben ihr eine Führungsposition in ihrer Firma eingebracht. Mollys Liebesleben musste immer hinter ihrer beruflichen Karriere zurückstehen, und lange Zeit schien das auch gut zu funktionieren. Ich sah sie fast an jedem Wochenende einen Flieger besteigen, um in einer Stadt im Ausland einen Liebhaber zu besuchen oder auf eine Party zu gehen, auf der sie noch einen neuen Lover finden würde, mit dem sie ins Bett steigen konnte - je wilder und je unkonventioneller es dabei zuging, desto besser. So hielt sie es schon immer, solange ich sie kenne, und sie schien mit diesem freizügigen Umgang mit dem anderen Geschlecht völlig zufrieden zu sein. Sie hat keinen dieser Kerle jemals als Beute nach Hause gebracht. Sie schien keine dieser Affären jemals ernst zu nehmen, und so weit ich weiß hat sie seit vielen Jahren keine feste Beziehung gehabt.
Im vergangenen Winter lernte sie dann auf einer ihrer luxuriösen Kreuzfahrten für Singles James kennen und verliebte sich Hals über Kopf in ihn. Ich hätte niemals gedacht, dass Sie sich so gründlich verändern würde, aber als sie von der Reise zurückkam, war sie nicht mehr dieselbe. Wie ein verknallter Teenager erzählte sie ihren Freundinnen alles über James. Mit roten Wangen und strahlendem Gesicht sprach sie vom Aufblühen ihrer Beziehung und ihrer Liebe. Sie konnte es kaum fassen, nach so vielen Jahren wieder eine echte Beziehung zu einem Mann zu haben. Ihr Interesse an den freizügigen Partys, dem Spiel mit Kostümen und Fetischen, den Sexabenteuern für ein Wochenende und den schnuckeligen verfügbaren Männern war mit einem Schlag verflogen. Sie begann davon zu reden, dass sie ihren Job sausen lassen, ihr Appartement verkaufen und auf Land ziehen wolle. Ich hielt sie für total übergeschnappt, hatte aber genug Gespür, meine Meinung für mich zu behalten. Ich nickte, lächelte und ließ sie weiter schnattern. Sie war so glücklich, und da mir andere Menschen nun mal am Herzen liegen, konnte ich nur hoffen und beten, dass James nicht ihr Herz brechen würde.
Eine Woche später rief sie mich an, um mir zu erzählen, ihr Job sei ihr gekündigt worden. Das Unternehmen wurde umstrukturiert und sie stand von einem Tag auf den anderen auf der Straße. Sie räume ihr Büro aus, nahm ihre Abfindung entgegen und setze sich hin, um ihre Optionen zu überdenken. Das sah alles ganz folgerichtig aus. Es war Zeit für einen Wandel, sie war verliebt und das Universum hatte ihr den Schubs gegeben, den sie brauchte. Ihr war klar, dass sie sich nicht für einen vergleichbaren Job in einem anderen Unternehmen bewerben würde.
Fünf Tage später brach sie bereits mit dem allernötigsten Gepäck, einem Mietwagen und einem Zelt im Kofferraum auf zu einer Reise in die Wüste von Arizona - mit unbestimmtem Ende. «Ich habe mein ganzes Leben lang gearbeitet; ich habe meine Abteilung geleitet, habe viel Geld verdient und habe mich um alles gekümmert außer um mich selbst. Dies ist meine Chance, den magischen Fluss des Lebens zu entdecken und mich selbst neu zu erfinden», sagte sie mir. Nun ist sie auf und davon, und ich weiß nicht, wann sie zurückkehren wird. Ich habe keine Ahnung, was sie tun wird, wenn ihr das Geld ausgeht. Ich schätze mal, sie weiß es selbst nicht, macht sich darüber aber keine Sorgen. Sie setzt neue Prioritäten und macht sich im Alter von 50 Jahren auf zu einem ekstatischen Abenteuer. So spielt manchmal das Leben. Wir können nicht immer wissen, wie die Geschichte weitergehen wird, aber wir können uns in den Fluss stürzen und mit ihm treiben lassen. Wir können nicht immer das Risiko kalkulieren und wissen schon gar nicht, wie die Sache ausgehen wird. Gute Reise, Molly! Ich wünsche dir viel Freude und ein wundervolles Abenteuer. Schick mir eine Postkarte vom anderen Ende der Welt!
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