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SELBSTBEFRIEDIGUNG:
EIN LEBEN JENSEITS DES VORSPIELS Maggie Tapert, 2006 Wenn die sexuelle Identität so einzigartig und besonders ist wie ein Fingerabdruck oder eine Schneeflocke, wie kannst du dann deine eigene entdecken? Um zu verstehen, warum es vielen Frauen so schwer fällt, ihre sexuelle Identität zu entdecken und zu entwickeln, müssen wir zu unseren Anfängen zurückgehen. Junge Mädchen sind oft verwirrt und unsicher, wenn sie anfangen, die Erregung sexueller Lust zu entdecken. In einer idealen Welt würden die verstohlenen und aufregenden Selbsterforschungen unter der Bettdecke vom persönlichen Umfeld des Mädchens unterstützt werden und schließlich zu einem das Leben bereichernden Verständnis seines wesentlichen weiblichen sexuellen Ichs führen. Bei einigen wenigen Glücklichen geschieht so etwas tatsächlich. Wenn dir das Glück in dieser Hinsicht hold war und es dir vergönnt war, deinen Körper und seine intimen Geheimnisse allmählich kennen zu lernen, weißt du wahrscheinlich bereits eine Menge über deine sexuellen Bedürfnisse und darüber, wie du dir die Erfüllung, die du suchst, verschaffen kannst. Die meisten Mädchen entdecken jedoch schon früh, dass unsere Kultur ein dichtes Netz von Scham- und Schuldgefühlen um den weiblichen Körper und alles, was ihm Lust bereitet, webt. Es ist eine Tragödie, dass die zarten sexuellen Experimente, die bei den meisten Frauen in einem Zustand der Unschuld und Neugier beginnen, so häufig in den Untergrund gedrängt oder gänzlich aufgegeben werden. Wenn sexuelle Scham und Heimlichkeit deine Weggefährten waren als du noch jung und verletzlich warst, dann ist es ziemlich wahrscheinlich, dass du auch als Erwachsene weiterhin mit diesen beiden verschwisterten Dämonen kämpfst. Die daraus folgende Schwächung kann auf alle Aspekte deines Alltags übergreifen, ohne dass dir jemals klar wird, was die Quelle deiner Verwirrung ist. Wenn Frauen nicht mit ihrem sexuellen Ausdruck verbunden sind, finden sie sich von ihren Wurzeln abgeschnitten. Das Leben ist eine Aufforderung zum Tanz, mit sich selbst und der Welt um sich herum. Wenn du nicht mit deinem sexuellen Ich vertraut bist, wenn deine sexuelle Identität zum größten Teil noch ein unbeschriebenes Blatt ist, dann hast du wahrscheinlich schon eine Reihe von enttäuschenden und verletzenden Erfahrungen gemacht. Dann stellt sich die Frage: Wie kannst du von Verletzung zum Feiern, von der Ausrichtung nach außen zur inneren Erforschung und vom Sexappeal zur sexuellen Identität gelangen? Über Selbstbefriedigung Damit du deine sexuelle Identität wieder entdecken und energetisieren kannst um herauszufinden, wer du als sexuelles Wesen bist brauchst du einige Hilfsmittel. Einige mögen Gebet, Meditation oder gar eine vegetarische Diät empfehlen. Doch ich möchte dir einen effektiveren, weniger zeitraubenden und mit Sicherheit lustvolleren Weg vorschlagen. Mein Lieblingsmittel zur sexuellen Selbstentdeckung ist die Masturbation. Obwohl sie von fast jedem auf diesem Planeten unterschätzt wird, halte ich sie nicht nur für das Heilmittel schlechthin für alles, was Frauen plagt, sei es sexueller oder anderer Natur, sondern auch für den direktesten Weg zu sexueller, emotionaler und spiritueller Selbsterkenntnis. Fast jeder Mensch masturbiert gelegentlich, aber nur wenige Frauen haben gelernt, die Explosivkraft eines Orgasmus zu nutzen, um in neue und unerforschte Dimensionen vorzustoßen. Masturbation kann zutiefst transformierend sein und gehört in das Selbsthilfe-Repertoire einer jeden Frau. Richtig gewürdigt und ausgeführt, kann sie dich vom Gewöhnlichen in das wahrhaft Außergewöhnliche katapultieren. Was ich dir vorschlage, soll nicht deinen Sexappeal steigern. Doch genau die Art von Orgasmus zu haben, die du haben willst, und sie so oft zu haben, wie du willst, umgibt dich mit einer erstaunlich strahlenden Aura weiblicher Schönheit, die zutiefst und wahrhaft anziehend ist. Es ist wirklich zu dumm, dass diese kostenlose, spaßmachende und umweltschonende Betätigung so tabu ist, selbst unter gebildeten Erwachsenen, die es eigentlich besser wissen sollten. Vor noch nicht allzu langer Zeit, nämlich im Jahre 1994, feuerte Präsident Bill Clinton mitten im Kampf Amerikas gegen die wachsende Aids-Epidemie die Oberste Militärärztin der US-Armee Joycelyn Elders, nachdem sie Masturbation als eine sichere Alternative zu ungeschütztem Sex befürwortet hatte. Als offizieller Grund für ihre Entlassung wurde angegeben, sie habe durch die Befürwortung von Masturbation „Werte vertreten, die gegen ihre Amtsführung verstießen“. Armer Bill. Inzwischen haben wir ja alle mitbekommen, dass er eine Menge komischer Ideen über Sex hatte. Dies war nur eine von ihnen. Repression und Heimlichkeit sind nach wie vor die bevorzugten Waffen im Kampf gegen sexuelle Befreiung. Unbefangen mit der Selbstbefriedigung umzugehen, scheint am Anfang unmöglich oder zumindest eine Herausforderung zu sein. Wenn das für dich gilt, dann musst du damit beginnen, deinen eigenen Körper genau kennen zu lernen. Mache dich mit dem, was er zur Lust benötigt, vertraut und schon bald wird sich deine Einstellung zur Sexualität verändern. Erkenne dich selbst auf der sexuellen Ebene und dir wird sich die verborgene Tür aufschließen, die zu wahrer weiblicher Kraft führt. Sich selbst Lust zu bereiten, ist der ultimative Ausdruck von Selbstverantwortlichkeit. Manche Frauen halten Masturbation für kindisch, peinlich oder jedenfalls minderwertiger als „echten“ Sex. Im Grund genommen ist genau das Gegenteil wahr. Wie Woody Allen einmal bemerkte: „Was soll schlecht sein an Masturbation. Das ist schließlich Sex mit jemandem, den ich wirklich liebe.“ Übung macht die Meisterin Um etwas gut zu beherrschen, sei es nun Violine zu spielen, ein Bild zu malen oder ein Feinschmeckermahl zuzubereiten, brauchst du Übung. Von einem Lehrer oder aus einem Buch kannst du vielleicht Tonleitern, den Gebrauch von Farbe oder das Für und Wider der Verwendung von Butter für einen Blätterteigboden lernen, aber letztlich wirst du in jeglichem Betätigungsfeld durch gewissenhafte und handfeste Übung zur Expertin. Würdest du dich einem Orchester anschließen, bevor du dein Instrument spielen gelernt hast? Würdest du Kontakt mit einer Galerie aufnehmen, die deine Bilder ausstellen soll, noch ehe du eine Reihe von Werken geschaffen hast, die es wert sind, öffentlich ausgestellt zu werden? Wenn du dich der Verbesserung deiner sexuellen Reaktionsfähigkeit und der Erfahrung größerer sexueller Lust widmen willst, gilt dafür das gleiche. Übung macht die Meisterin. Wenn du davon träumst, ein für allemal sexuelle Langeweile oder „Funktionsstörungen“ zu vertreiben und grenzenlose sexuelle Freude zu finden, musst du deine Hausaufgaben machen. Und du brauchst dazu einen geschützten Raum. Masturbation ist nicht einfach ein Heilmittel für sexuelle Probleme sie ist keine Übung, die bewirkt, dass beim nächsten Mal, wenn du „echten“ Sex mit einem Mann hast, alles besser wird. Mit der richtigen Einstellung praktiziert, ist Masturbation eine Sache für sich. Es ist Liebe machen echte Liebe. Du kannst und solltest sie praktizieren, ob du nun einen Partner hast oder nicht, denn sich selbst Lust zu bereiten, hilft dir zu deinem Kern zu finden, sich mit deinem Zentrum zu verbinden. Sich selbst Lust zu bereiten, weckt dich auf und bringt deine Energie zum Fließen, so dass du dich lebendiger und verbundener fühlst. Und die Selbstbefriedigung gibt deinem Körper die Botschaft, dass er so angenommen und wertgeschätzt wird, wie er ist. Im Laufe der Jahre haben mir viele Männer erzählt, dass sie jeden Tag masturbieren. Stell dir das vor: jeden Tag. Und dies sind nicht einfach junge Kerle, die einen Überschuss an Testosteron zu verbrennen haben. Es handelt sich um reife Männer, die einfach ihren Penis lieben, Lust lieben und es als normale persönliche Pflege betrachten, mindestens einmal am Tag einen guten Orgasmus zu genießen. Sie müssen nicht darüber sprechen. Sie protzen nicht damit. Die meisten erwähnen es sogar nicht einmal ihrer Partnerin gegenüber sie sagen, es habe nichts mit ihr zu tun. Es geht um die innere Erlaubnis, die Männer sich geben, ihren Körper und die Freuden, die er bietet, zu genießen. Oft denke ich, wie toll es wäre, wenn Frauen frei genug wären, dasselbe zu tun, wenn sie sich genug lieben würden, um regelmäßig zu masturbieren und stolz darauf wären statt sich zu schämen. Wie transformierend es wäre, wenn Frauen sich wahrhaftig um ihren Körper, ihre Lust und ihre orgastische Ekstase kümmern würden. Wie göttlich es wäre, wenn die eigene Lust der Frau die höchste Priorität in ihrem Leben hätte und nicht ans Ende ihrer „Zu erledigen“-Liste irgendwo zwischen Katze füttern und Steuererklärung ausfüllen eingeordnet würde. Es gibt da einen gewissen selbstbewussten Eigenrespekt, den viele Männer gegenüber ihrem Penis und der alleinigen Lust, die er ihnen bereitet, empfinden, den ich wirklich bewundere. Ich wünschte Frauen könnten sich genauso lieben. Das will aber nicht heißen, dass Frauen überhaupt nicht masturbierten. Viele Frauen masturbieren gelegentlich, um „Dampf abzulassen“. Und diese heimlichen kleinen geschlechtlichen Explosionen unter der Bettdecke vor dem Einschlafen sind sicherlich gut, soweit sie gehen. Doch wenn ich davon spreche, Masturbation in dein Leben zu integrieren, meine ich etwas von einem ganz anderen Kaliber. Die Rede ist von einem rituellen Fest von Selbstliebe, in dessen Rahmen Frauen ihre eigene sinnliche Lust zum Mittelpunkt machen. Gibt es so etwas wie zu viel Lust? Ich habe schon seit meiner Kindheit Orgasmen. Das größte Abenteuer in meiner Jugend waren all die Tausend Arten, mir Lust zu bereiten. Und aahh, es war so intensiv! Als ich reifer wurde, kam ich leicht zum Höhepunkt, wenn meine Klitoris stimuliert wurde, ganz gleich ob ich masturbierte oder mit einem Partner schlief. Doch sobald ich gekommen war, hörte ich auf mich zu stimulieren oder schob die Hand meines Partners beiseite, mit der Begründung, nicht mehr auszuhalten. Es war zu viel. Meine Klitoris war einfach zu empfindlich. Ich kam, und das genügte. Mission erfüllt. Ende der Geschichte. Vor einigen Jahren sah ich das Video Sluts and Goddesses des ehemaligen Pornostars Annie Sprinkle, in dem sie einen fünfminütigen Orgasmus vorführte. In der oberen Ecke des Bildschirms lief eine Uhr, während sie ihre Vulva mit einem mächtigen Vibrator stimulierte. Statt beim ersten Anzeichen von Orgasmus aufzuhören, warf sie den Kopf zurück und machte einfach weiter: zwei Minuten, drei, vier immer weiter tickte die Uhr, während sie sich mit sich selbst vergnügte. Während dieser elektrisierenden Szene hörte man sie mit sanfter Stimme die Vorzüge eines verlängerten Orgasmus beschreiben. Ich war sprachlos. Ich hatte bis dahin keine Ahnung gehabt, dass so etwas möglich sei. Ich sah mir das Video mehrere Mal an. Das, was sie hatte, wollte ich auch. Ich wollte lange, unbeschränkte und unkontrollierte Lust. Und ich dachte bei mir: „Wenn sie das kann, kann ich das auch.“ Also kaufte ich mir so einen Vibrator, wie sie ihn hatte, und begann zu üben. Ich wollte größere, bessere, längere und befriedigendere Orgasmen Orgasmen, die meinen ganzen Körper durchschüttelten und nicht nur kleine Stöße, die an meinem Nabel endeten. Ich wollte mich von den Begrenzungen befreien, die ich mir selbst auferlegt hatte, und mein Lustpotential ausweiten. Schließlich begriff ich, dass ich die Menge der Lust, die ich in meinem Leben zuließ, strikt begrenzt hatte. Zu sagen, meine Klitoris sei zu zart, um weiter stimuliert zu werden, war tatsächlich die Maskierung einer Botschaft von ganz anderer Art. Tatsächlich sagte ich: „Ich verdiene nicht mehr. Es ist gut, einmal zu kommen, ich sollte darum nicht so verdammt gierig sein. Mach mit dem Hauptgang weiter. Gehe zu echtem Sex über, dem, bei dem ein Penis dabei ist.“ Da ich als Frau in Amerika aufgewachsen bin, hatte ich den weit verbreiteten Glauben, dass die weibliche Lust, meine Lust, niemals das Hauptsächliche sein könne, völlig verinnerlicht. Sie war immer nur das „Vorspiel“ zu etwas Größerem, Wichtigerem und Relevanterem. Wenn meine Lust wirklich groß, im Mittelpunkt stehend und zu meinem Hauptereignis werden sollte, das wurde mir klar, musste ich meine Haltung und mein Verhalten verändern. Als ich erst einmal regelmäßig meinen Vibrator benutzte, entdeckte ich ein riesiges Lustpotential, das ich bis dahin niemals angezapft hatte. Ich befreite mich von den Beschränkungen, die mir die puritanische Kultur in meiner Jugend auferlegt hatte. Ich lernte, wie ich zu mir selbst „mehr, mehr, mehr“ sagen und mir dann das geben konnte, was ich leidenschaftlich begehre. Ich masturbiere weiter regelmäßig und es hat meine ganze Sichtweise des Lebens verändert. Und als Zugabe dazu bin ich dabei zu einer Liebhaberin geworden, die viel sexyer und angetörnter ist. Fortsetzung folgt nächsten Monat... |