| Frauenspiritualität Was ist eine Priesterin? Essay des Monats Essays Archiv Monatliche Essays Medien Göttlichkeit" - YOGA aktuell - von Dorothea Luther - von Veronka Herzig - von Sandrine Fabbri |
"Geist ist das Leben Gottes in uns" Theresia von Avila Ich habe in letzter Zeit Menschen gebeten, mir von ihrer Spiritualität zu erzählen, und stellte fest, daß dieses Wort auf viele verschiedene Weisen verstanden wird. Für einige Menschen ist Spiritualität etwas, worüber sie sprechen, lesen, theoretisieren oder gar streiten. Für einige ist es ein Ausdruck der Religion, in die sie hineingeboren worden sind. Für andere ist es eine stille innere Verbindung mit Liebe, Frieden, Freude oder einer anderen subtilen Qualität von Energie. Für Millionen von Menschen auf dem Planeten ist Spiritualität noch etwas, das sie in erster Linie in einer Kirche, einem Tempel oder einer Moschee erfahren und das untrennbar von einer männlichen Autoritätsfigur ist, die "Gott der Vater" genannt wird. Mein ganzes Leben habe ich danach gesucht, meine eigene Spiritualität zu verstehen. Aufgewachsen in einem streng römisch-katholischen Haus, begann meine spirituelle Rebellion schon früh. Ich kämpfte besonders heftig gegen die Autorität der Kirche, als Sex das erste Mal in meinem jungen Leben auftauchte. Die Nonnen und Priester meiner Teenagerjahre schienen darauf aus zu sein, mich zur der Entscheidung zu zwingen, ob ich Jungs lieben oder ein wohlangesehenes Mitglied der Gemeinschaft sein wolle. Sogar damals schon schien es mir absurd, daß meine sexuelle Intimität mit Jungen für den Himmel in irgendeiner Weise von Belang sein sollte. Kümmerte es Gott den Vater wirklich, was ich auf dem Rücksitz des 65er Oldsmobile meines Freundes trieb? Mir schien das unwahrscheinlich. Schließlich verließ ich die Kirche und begab mich selbständig auf den Weg, um das zu entdecken, was ich zu jener Zeit WAHRE Spiritualität nannte. Wenn ich nicht daran glaubte, was "sie" sagten, woran sollte ich dann glauben? Wenn der Katholizismus mir steif und unecht vorkam, was könnte ich finden, das seinen Platz einnehmen könnte? Auf meinem Weg hat es viele Stationen gegeben. Ich studierte die Bibel und schloß mich der Bewegung der "wiedergeborenen Christen" an. Auch wenn die Leute sanftmütig waren und es gut meinten, verstand ich schließlich, daß die allzumenschlichen Bewertungen und Autoritätskonflikte, die ich im Katholizismus erfahren hatte, auch hier gegenwärtig waren. Ich zog weiter und begann, über Buddhismus zu lesen, lernte in einem Zen-Kloster zu meditieren, und mehrere Jahre lang leitete ich Gruppen in Vipassana-Achtsamkeitsmeditation. Im Laufe der Jahre ergab es sich, daß ich mich verschiedenen esoterischen Gruppen anschloß, die von einigen ziemlich ausgeflippt-exotischen spirituellen Lehrer geleitet wurden (in diesem Lebensabschnitt konnte es mir gar nicht seltsam oder unkonventionell genug sein!). Ich chantete, lief übers Feuer, reinigte mich in indianischen Schwitzhütten. Ich nahm Kontakt mit Legionen von Engeln auf, erfuhr die Aufgestiegenen Meister in all ihrer Herrlichkeit und begann sogar eine außerirdische Wesenheit zu channeln, die durch mich ihre Botschaft an die Erde vermitteln wollte. Ich probierte viele der empfohlenen bewußtseinserweiternden Drogen aus. Kreischend und heulend arbeitete ich erfolgreich die meisten Erfahrungen meiner Kindheit durch. Ich machte eine Rückführungstherapie und erfuhr mich in der Form eines "Sternenwesens" aus einem anderen Sonnensystem. Ich war für alles und jedes offen, von dem ich annahm, daß es mich einem Verständnis meiner eigenen persönlichen Spiritualität und meiner Verbindung zu den immateriellen Dimensionen näherzubringen vermochte. Einige dieser Wege waren Sackgassen, andere waren es nicht. Schließlich führte mich meine Reise sehr weit fort von den Wurzeln meiner Kindheit in der märchenhaften Spiritualität von "Gott dem Vater" und brachte mich in engen Kontakt mit einem mystischen, erfahrungsorientierten Pfad, der sich als zutiefst persönlich erwies. Die lange gewundene Straße half mir zu entdecken, daß das, wonach ich mich mein Leben lang gesehnt hatte, nicht im Außen zu finden war. Alle sogenannten spirituellen Autoritäten, ungeachtet dessen, was sie lehrten, konnten mich nicht an den Ort bringen, den ich suchte, den Ort, zu dem ich auf mich selbst gestellt gehen mußte. Ich entdeckte, daß Spiritualität nicht von meinen Eltern geerbt werden und nicht aus den Einsichten und Erfahrungen anderer Leute assimiliert werden konnte, ganz gleich wie erleuchtet sie waren. Um Spiritualität für mich zu erfahren, mußte sie intensiv persönlich sein, um wirklich zu sein. Ich begann mich in dem Moment einer "wahren" Spiritualität anzunähern, als ich endlich mein Hängen an den vom Gehirn anderer Leute produzierten Vorstellungen über das Dasein aufgab und wagte, dieser leisen Stimme aus dem Innern zu lauschen, meinem Zentrum, meiner Wahrheit, meinem inneren SELBST in Großbuchstaben. Die Reise wurde intensiver, als ich aufhörte, mit meinen Flügeln zu schlagen und eine Menge Lärm zu machen, und statt dessen begann, still zu sitzen und zu lauschen. Man mag es Gebet nennen oder Meditation oder Kontemplation oder innere Reflexion als ich in diesem Ort von Stille, von tiefem inneren Schweigen, zu lauschen begann, offenbarte sich mir endlich meine tiefe Verbundenheit mit allen Dingen und allen Wesen, eine Verbundenheit, die so stark, tiefgehend und überzeugend war, daß alles Suchen ein Ende fand. Ich ringe heute noch Tag für Tag mit den Mißgeschicken der "Persönlichkeit", aber in einen unabhängigen inneren Fokus zu gehen, entfachte die Flamme meiner tiefen spirituellen Natur. Als ich mich von der in einem Katechismus festgeschriebenen Richtig-falsch-Dualität, die sich in allen "Gott der Vater"-Religionen findet, abwandte, begann ich auch die Trennung loszulassen, die so lange mein Wegbegleiter gewesen war. Ich sah mich zur Einheit zurückkehren. Dieses Gefühl von Einheit oder Ganzheit stellt das Innerste des mystischen Pfads zum spirituellen Selbst dar. Für mich fühlt es sich zutiefst weiblich und zirkulär an, schwer zu beschreiben, leichter zu fühlen und zu erfahren als in Worten oder Konzepten zu erklären. ***
In meiner Arbeit mit Frauen benutze ich Sexualität, um ihnen zu helfen, ihren eigenen individuellen spirituellen Weg zu finden. Über die Jahre hinweg habe ich beobachtet, daß die Scham und die Schuld, die Frauen sexuell hemmen, aus einem bestimmten Nährboden erwachsen. Es ist derselbe Boden, der uns dazu gebracht hat, außerhalb der Wirklichkeit unseres individuellen Selbst nach Spiritualität zu suchen. Viele der hemmenden Geisteshaltungen, die Frauen unbewußt in sich tragen, werden mit Leichtigkeit aufgelöst, wenn die künstliche Trennung zwischen dem Sexuellen und dem Spirituellen aufgehoben wird. Diese Barriere zu entfernen hilft den Frauen, sich wieder mit der Heiligkeit ihres innersten Kerns zu verbinden, und dann erinnern sie sich auf eine leichte und fröhliche Weise ihrer selbst als prächtige kreative Wesen, aus denen alles Leben entsteht. |