"Ekstase heilt die Welt"
von Dorothea Luther

[CONNECTION Special VI/02]


Gibt es eigentlich noch etwas Neues auf dem Markt? Natürlich nicht, denn man sagt ja, dass alles lediglich ein "Sich erinnern" sei.
Aber ungewöhnlich ist es schon, was Maggie macht.
Maggie Tapert ist eine frische, zentrierte Amerikanerin (55), Mutter zweier erwachsener Kinder, die mit ihrem Mann in Zürich lebt. In connection wurden ihre verschiedenen Seminare wie "Aphrodites Töchter", "Priapus Rex" und ihre Arbeit als heilige Hure bereits vorgestellt. Zuletzt leitete sie mit Alan Lowen "Woman, Man and the Essence of Tantra".
Inzwischen ist Maggies Arbeit salonfähig geworden. Kürzlich wurden sie und einige ihrer Seminarteilnehmerinnen "selbstliebend" im Abendprogramm des Schweizerischen Fernsehens zur besten Sendezeit gezeigt. Die Pressewellen schlugen danach hoch – und zwar überraschend positiv!
Ihr geht es allerdings nicht in erster Linie nur um die Befreiung der Lust der Frauen. Sie benutzt sie lediglich als ein Werkzeug, um Frauen eine neue Dimension ihres Selbstes zu öffnen. Hinter dem erotischen Aspekt steht der spirituelle, und den will sie in ihrem neuen dreijährigen Zyklus WINGS OF JOY® vermitteln.


Erster Morgen. Ländliche Sonntagsglocken begleiten die Meditation. Dann lädt Maggie ein auf ihren Weg der weiblichen Kraft, und der beginnt mit Pussytalk. Zu dritt sitzen wir zusammen und lassen unsere Vulven, unsere Schöße sprechen, über das Schöne, das Vertraute, das Abgelehnte, das Verletzte. Wir zeigen, schauen, entdecken, spüren. Ah, so einfach geht das also! Jahrzehnte liegt es zurück, dass wir uns ertappen ließen bei unseren Forschungsreisen zur eigenen Lust, bei Doktorspielen, erlebten Übergriffe und Missbräuche. Wunden, Scham und Schuldgefühle entstanden, und es ergab sich seither kaum eine Gelegenheit mehr, unsere weibliche Identität gemeinsam mit Frauen und mit ihrer Körperlichkeit zu stärken.

"Deine eigene Heilung wird dann geschehen, wenn du ganz zu dir selbst zurückkommst!", erklärt Maggie. Zu oft würden wir – gerade in der Sexualität – Masken tragen, wir kennen unser sexuelles Selbst nicht, tun häufig etwas, wovon wir meinen, die Partner erwarten es von uns.
Wenn wir gefragt werden, wo wir auf unserer sexuellen Reise stehen, erzählen wir sofort über das Erleben mit unseren männlichen – oder weiblichen – Partner/innen. In diesem Seminar wird es nicht um Beziehungen gehen. Und es werden keine Tricks gezeigt, wie wir bessere Geliebte werden. Es geht ganz allein um unsere weibliche Sexualität mit uns selbst. Auch um die eigene Verantwortung für unsere Orgasmen. Wenn wir dann immer immer bei uns ankommen und uns freier und stärker fühlen, werden wir die Männer und die Welt besser lieben könne, verspricht Maggie.


Sich zeigen überwindet Scham

Der Hauptweg, der sich in ihrer Arbeit mit Frauen herauskristallisiert hat, ist: Sich zeigen. Sich zeigen im sexuellen Vergnügen. Wie wir uns selbst sexuelle Lust bereiten. Und sie schlägt vor, so viel wie möglich über die bisherigen Grenzen hinauszugehen, um zu sehen, woran sie uns hindern. Das bringe ganz schnell aus der Scham heraus.- Und danach wird es sich als das Normalste von der Welt anfühlen.

Stimmt! – Mehr sage ich nicht.

Was mit dem - weder ästhetischen noch erotischen - Zauberstab beginnt, der dank der ungewohnt starken Stimulation mehr und noch mehr Lust weckt, das endet in Freude. Das ist ihre Botschaft: Experience joy! Erfahre Freude!
"Ihr habt so viele Jahre eurem Leiden und euren Dramen gewidmet! Lasst die Orgasmen eure Zellen umpolen! Du wirst freudig vibrieren und ausstrahlen! Das bedeutet es, wenn ich sage: Unsere Orgasmen werden die Welt heilen!"


Entscheidung für die Freude

Eine jung gebliebene würdevolle Dame (67!) entlockt sich wahre Kaskaden purer Lebenslust und die Augen funkeln danach noch mehr als der Goldschmuck auf ihrem gebräuntem Körper. "Ein Gefühl wie Champagner!", spürt sie noch Stunden später in ihrem Körper.- Ja, darum geht es! Jana will das Erfahrene, das neue Lebensgefühl mit in den Alltag nehmen. "Ich habe gelernt, mich in der erotischen Energie zu bewegen."
Scheu flüsternd und fast unverständlich berichtet eine junge Frau in der Vorstellungsrunde von ihrer "Verklemmtheit". Ein paar Tage später spenden die Frauen ihr und ihrem vierten Orgasmus in Folge freudigen Beifall. Eine Premiere für sie. Erstmals spricht sie hörbar im Kreis, erstmals zusammenhängend, erstmals blickt sie uns dabei in die Augen und strahlt.


Heimkommen


Anfangs ist der bewertete weibliche Körper noch ein Thema, die Bäuche, die Brüste, die Leibesfülle, das vermeintliche Zuwenig oder Zuviel. Wie sehr leiden darunter das Selbstwertgefühl, das Selbstvertrauen, der Mut, zu sich zu stehen. Verständlich, dass die Lust bei so viel Abwertung sich selbst gegenüber nicht gerade gedeiht. Aber in dieser Atmosphäre der gegenseitigen Unterstützung und der Freude schwingen sich gerade diese Frauen zu ungeahnten, befreienden orgiastischen Wellen und Stürmen auf.
Sahra (52) sagt dazu: "Ich habe eine Erweiterung erfahren – in jeder Hinsicht. Ich bin mir bewusst, dass ich ein sexuelles Wesen bin und total erotisch. Erotisch im Sinne von sinnlich und lustvoll. Reine Energie. Ich erkenne, dass selbst Tische abwischen sinnlich und lustvoll sein kann. Der Tisch und ich – wir sind Energie. So wie ich mit dem Tisch umgehe, gehe ich mit mir um. Ich werde auch in meine Tiefen, meine Untergründe geführt. Da heißt es, erst mal an den Gegenpolen vorbeizukommen, zu erkennen: Das ist die alte Energie, die lasse ich jetzt stehen und gehe weiter, ich entscheide mich für die Freude. Da erwacht in mir eine Kraft, die ich nicht erwartet habe. Eine Kraft, die mich vor weiteren Verletzungen schützt. Eine Kraft, die mir erlaubt, ICH SELBST zu sein."


Keine Abstürze?

Doch. Eine wunderbare Frau, die uns das Schönste vorlebt, die "einen Quantensprung im Annehmen ihres Körpers und im Zeigen ihrer Lust" erfährt, die sich "von Freude und Lust erfüllt" fühlt, fällt plötzlich wieder in ihre alt bekannten Selbstzweifel. Maggie nennt das liebevoll "mindfucking" (von einer Frau mit "Hirnfurz" übersetzt). "Hör auf, dich mit den Dramen zu identifizieren, gib ihnen nicht so viel Energie. Lass alle Konzepte gehen, die dich unfrei machen. Du bist nicht das Muster, du bist eine heiße Tomate!"
Schwesternschaft zeigt sich also darin, dass wir uns gegenseitig mit Humor daran erinnern, diese alten Programme loszulassen, um uns der Freude zuzuwenden.
Und eine andere Frau, die bereits einen weiten Weg der befreiten Lust bei Maggie gegangen ist, zeigt sich sehr betroffen über ihre Angst, wenn sich die Räume immer weiter und weiter öffnen. Maggie spürt ihre Angst, sich aufzulösen und rät ihr, sich beim Springen den "WINGS OF JOY®" anzuvertrauen.


Vergleichsangst nimmt ab


Kommt da bei so viel orgiastischer Energie nicht auch wieder Leistungsdruck oder Versagensgefühl auf bei den Frauen, die sich noch nicht erlauben können zu fliegen? Das ist nicht spürbar. Die vielen tiefen Herzensbegegnungen haben eine Atmosphäre des Annehmens entstehen lassen, in der es keine Bewertung oder Abwertung, kein besser oder schlechter gibt, sondern nur Echtheit.
Eine Frau erzählt, dass sich auf der sexuellen Ebene bei ihr noch wenig verändert hat. Aber sie freut sich, dass sie jetzt gegenüber dem weiblichen Geschlecht viel mehr Respekt empfindet. Bei einer anderen blubberten die Orgasmen auch nicht so aus ihr heraus, wie sie es sich gewünscht hätte. Immerhin habe ihr das Seminar geholfen, Konkurrenz und Vergleichsangst abzubauen, indem sie anderen Frauen in ihrer Lust zusah und sich selbst in ihnen sah.


Einwände?

Ich hätte mir noch mehr Integrationsarbeit, noch mehr Würdigung des Neuen, noch mehr Ideen, wie ich das Neue in meinem Alltag verankere, gewünscht (was für später vorgesehen ist). So kenne ich das aus meiner bisherigen Psycho-Arbeit. Aber während ich das schreibe, merke ich auch, dass das nach ernsthafter Arbeit klingt. Vielleicht reicht die Entscheidung für die Leichtigkeit, für die Freude?
Eine andere Frau wünschte sich mehr Feedback-Runden, eine weitere mehr Antworten auf die Frage, warum es bei ihr "nicht klappt".
Anfangs zeigten einige Frauen keine besondere Begeisterung gegenüber bestimmten Spielzeugen. Gut, es gab äußerst ästhetische darunter, wie beispielsweise BIRTH OF VENUS oder auch solche, die wirklich anmachten. Aber der MAGIC WAND, um den sich so viel dreht? Mit dem Charme eines Küchenmixers und durch Energie aus der Steckdose zu mehr Spiritualität? Aber mit zunehmender eigener Erfahrung wurden die Zweifel leiser ... und die Gewissheit größer ...

Eine Teilnehmerin befürchtete anfangs, dass die alten gesellschaftlichen Hierarchien durch neue ersetzt werden, als sie von Hohepriesterin und Priesterinnen hörte. Erleichtert stellte sie - auch zuletzt im großen Ritual - fest, dass dies nicht der Fall ist, sondern dass alle Frauen ermächtigt werden, die ihnen ureigene Stärke und Würde wieder zu übernehmen.
Apropos Rituale: Sie können leer, abgehoben oder unglaubwürdig sein.
Dieses Ritual überzeugte durch Schönheit, Tiefe, Leichtigkeit und Einfachheit.-
Wie gelingt es Maggie, die Energie zu halten? Warum kippt fünf Tage lang die Atmosphäre nicht um? Fünf Tage ohne Dramen? Unterstützt von ihrer fabelhaften Assistentin und Übersetzerin Tilasmi führt Maggie unsichtbar und mühelos, ich glaube allein durch ihr Da-Sein, ihr So-Sein, ihre Präsenz. Sie selbst meint, es liege daran, weil sie dem orgiastischen Yin das zentrierende Yang der Meditation und der Sammlung an die Seite stellt. Und so ergibt sich die Ahnung einer Hochzeit. Am Ende einer Meditation: "Spür die Ekstase. Lass sie sich in deinem Körper ausbreiten. Alles, was du dazu brauchst, ist, da zu sein."



Fragen an Maggie

D: Was ist deine Botschaft?

Maggie: Ich zeige Frauen, wie sie zu ihrer ursprünglichen Unschuld, ihrer Kraft und ihrer Freude zurückfinden können.
Ich sage ihnen: Komm zurück zu dir, komm heim, spüre deine Essenz.
Tatsache ist, dass so viele Leute viel zu viel in ihr Leiden und in ihre Schmerzarbeit investiert haben.

D: Wie hältst du es mit Tantra? In deinem neuen Seminarzyklus WINGS OF JOY® willst du die Trennung zwischen Sakralem und Sexuellem heilen. Das ist ein durchaus ein Anliegen von Tantra. Du meinst aber, du hättest keinen tantrischen Ansatz?

Maggie: Meine Arbeit kommt aus keiner tantrischen Traditionen Asiens, sondern aus mir selbst, aus meinen persönlichen Erfahrungen und aus der Geschichte westlicher Frauen.
Seit Ewigkeiten warten Frauen auf ihren Traumprinzen, der sie liebt, auswählt, heilt, "ganz" macht. Heute kommt er in der östlich-exotischen Verkleidung des Tantra dahergeritten.
Ich habe kürzlich auf einem sicherlich hervorragendem Tantra-Seminar erfahren, dass Frauen, die noch nie einen Orgasmus hatten, beigebracht wurde, dass das heilende Potential im Penis liege, statt dass sie anfangen, ihr eigenes unbegrenztes Potential an Freude zu entdecken. Mein Anliegen ist es, Frauen zu befreien und zu heilen, Orgasmen zu erleben und sich damit zu zeigen. Bei Tantra habe ich in der letzten Zeit den Eindruck, dass der Orgasmus als eine Sache für kleine Mädchen gesehen wird, die noch nicht erleuchtet sind. Er sei ja nur momentan und viel wichtiger sei es, immer orgiastisch zu sein. Frauen werden damit beruhigt, klein gehalten.

D.: Connection hat über dein Männerprojekt "Priapus Rex" berichtet. Da wolltest du Männern helfen zu lernen, dass sie sich selbst ehren und zu ihrer eigenen Verbundenheit finden. Was ist daraus geworden?

Maggie: Es war sehr spannend, aber ich bin schnell in eine Falle getappt, die der Krankenschwester, und die wollte ich nicht. Die meisten Männer waren so problembeladen, voller Wut, Trauer, Hilflosigkeit, es herrschte eine schwere Energie, viel Opferenergie. Wenig Selbstverantwortung. Da war keine Freude möglich. Ich fühlte mich überarbeitet.
Ich merkte, dass Männern die Basisarbeit an sich fehlt, und diese Arbeit mit dem Leiden der Männer muss ein Mann leiten.

D: Du gehst einen provozierenden und kompromisslosen Weg in deiner Arbeit. Was sagen deine Kritiker zu dir und was entgegnest du ihnen?

Maggie: Von vielen kommt der Vorwurf, dass ich die Männer auf der Strecke lasse.
Dazu kann ich nur sagen, dass ich die Männer liebe und selbst auch in einer Beziehung lebe. Ich wünsche ihnen alles Gute, aber ich kann diese Arbeit nicht leisten. Dafür schenke ich ihnen ganz geile und zentrierte Frauen, die glücklich sind, die ihren Körper, ihre Lust und ihre Bedürfnisse kennen.
Die andere Befürchtung ist, dass das Benutzen des Vibrators die Klitoris desensibilisieren würde. Das höre ich hauptsächlich von Männern und es klingt für mich so, als wolle man die Lust der Frauen an sich selbst unterdrücken, als sei die Pussy den Männern vorbehalten.
Es ist wohl ein tantrisches Konzept, dass der Penis die – heilende – Energie in die Vagina bringen soll.
Frauen würden viel opfern, wenn sie auf diese Form der totalen Befriedigung verzichten würden. Der Vibrator erschließt das Potential der Frau, er schüttelt den ganzen Körper. Schau dir die Gesichter der Frauen an, sie sind weich und die Herzen sind aufgegangen. Und zur Beruhigung: Viel Lust macht nicht satt, sondern macht Lust auf mehr.
Davon abgesehen sollst du dich nicht in deinen Vibrator verlieben, er ersetzt deine Beziehung nicht. Und eine nasse Zunge ist beispielsweise etwas wunderschönes, das will ich nicht vermissen.

D: Du gehst davon aus, dass alle deine Seminarteilnehmerinnen bereits jahrelange Therapieerfahrungen hinter sich haben, aber oft erst bei dir den Durchbruch in ihre Freude erleben. Das ist nachvollziehbar. Was ist aber mit den Frauen, die völlig unvorbereitet zu dir kommen und plötzlich in Erinnerungen an Missbrauchserfahrungen kommen. Wie gehst du mit ihrem Schmerz, ihrer Wut, ihrer Scham um?

Maggie: WINGS OF JOY® ist ein Seminar für reife Frauen, die Erfahrung mit sich selbst haben. Es ist kein Orgasmus-Seminar. Falls wirklich mal eine Frau am falschen Ort sein sollte, gebe ich ihr den Tip, dass sie möglicherweise erst ihr Leid entdecken muss. Aber das Seminar bei mir ist keine Arbeit, die verletzt, denn sie ist von Liebe getragen, oft wird eine Frau, die zu früh in dieses Seminar kommt, zumindest inspiriert, wohin die Entwicklung gehen kann.

D: Höhepunkt deines Seminars ist die Einweihung der Teilnehmerinnen als Priesterinnen. Ist das nicht ein bisschen zu hoch gegriffen? Was verstehst du unter Priesterin?

Maggie: Die Priesterin ist für mich eine Frau, die in ihre weibliche Kraft und Macht eingestiegen ist, eine Frau, die sich ernst nimmt als spirituelles Wesen und die Verantwortung übernimmt.
Ich fühle die tiefe Sehnsucht von Frauen, Himmel und Erde, Spiritualtiät und Sexualität zu vereinen. Ich fühle, dass diese neue Energie in die Welt kommt und ich möchte diesen Prozess bei den Frauen unterstützen.
Eine Frau soll herausgefordert werden, ihre spirituelle und sexuelle Seite zu vereinen und dies in die Welt hinauszutragen, egal in was für einem Beruf sie steht. Sie ist die kraftvolle Frau für das neue Zeitalter. Sie ist nicht einfach nur die tolle, erfolgreiche, emanzipierte Geschäftsfrau.
Sie strahlt das Neue aus, sie kann ihre Umgebung inspirieren, kann Kraft geben und heilen.
Sie hat eine Vision für sich und die Zukunft, und sie hat die innere Kraft und das Werkzeug, das für sich zu realisieren.
Abgesehen von dieser ernsthaft und authentisch gespürten Sicht der Priesterin macht es mir auch Spaß, mit dem Begriff ironisch umzugehen und an der Leere gewisser religiöser Traditionen zu kitzeln.

D: Du sagst, deine neue Arbeit mit Frauen sei eher ein Weg als ein Seminar?

Maggie: Das dreijährige Programm WINGS OF JOY® ist für Frauen gedacht, die eine intensive Auseinandersetzung mit ihrem spirituellen Weg suchen. Nachdem das erste Jahr mit seinen drei Seminaren à vier bzw. fünf Tagen mit der Einweihung als Priesterin endet, tauchen die Frauen danach tiefer in die Visionssuche für ihr Leben ein und integrieren mehr und mehr ihre weibliche Macht in ihren Alltag. Darüber hinaus übernehmen sie zunehmend Verantwortung für die Arbeit in Gruppen, für die Gestaltung von Ritualen und für die Verankerung ihrer spirituellen Kraft in dieser Entwicklungsarbeit mit Frauen.

D: Dein Allheilmittel ist der MAGIC WAND, weil du meinst, viele Frauen hätten bisher in ihrem Leben zu wenig Stimulation erfahren. Wie erwächst Spiritualität aus gesteigerter Orgasmusfähigkeit?

Maggie: Was ist Spiritualität? Viele sehen es im Zusammenhang mit religiöser Praxis oder als etwas Abgehobenes. Aber: Spiritualität ist alles, du findest sie in deinem ganzen Alltag. Wenn Energie ganz aktiviert ist, durch alles durchfließt, dann weiß ich, wer ich bin, erfahre ich die Essenz. Ich vergesse für einen Augenblick die Grenzen. Das ist auch durch Gebet und Meditation möglich, aber ein Orgasmus ist viel lustvoller. Ich habe über 500 Frauen im Orgasmus gesehen und erkannt, wie heilsam das ist. Ich habe ihre Freude gesehen. Aber das liegt nicht nur am Orgasmus, sondern weil sie sich zeigen können. Spielerisch-lustvoll können sie ihre uralte Scham überwinden und dürfen sein, wie sie sind.

D: Was bedeutest du für die Frauen?

Maggie: Ich bin eine Mentorin für Frauen. Ich habe seit Jahren Tabus gebrochen, um mich selbst zu heilen. Mit jedem Schritt fühle ich mich noch mehr akzeptiert. Mit diesem seelischen Striptease gebe ich anderen Frauen die Erlaubnis, sich auch zu zeigen.

D: Was bist du für eine Frau?

Maggie: Ich bin eine Frau unterwegs, ich bin bewusst, still, ruhe in mir. Ich lehre, was ich bin. Meine Arbeit ist eine Reflexion dessen, wo ich gerade bin. Das mit der heiligen Hure will ich gar nicht mehr hören, das war ganz wichtig und lehrreich, aber es ist vorbei, ich bin weiter gegangen. Ich bin auf einer intensiven spirituellen Reise.
Eine Frau fragte mich mal, mit welcher Autorisation ich mich Hohepriesterin nenne. Ich antwortete ihr: Ich fühle mich so. Es ist wie ein Angebot einer höheren Dimension.


Ich danke Maggie und bin beeindruckt von der Atmosphäre, in der dieses Gespräch stattfand. Besser ausgedrückt: Es ist ein Raum entstanden – offentiefherzlichzentrierteinfach. Ein Raum weiblicher Spiritualität? Ein Raum der Priesterin, der sich öffnet und ausstrahlt? Maggie drückt es so aus: Unsere Orgasmen und unsere Freude werden die Welt heilen!